On-Device · Causidicus

On-Device vs. Cloud: welche KI passt zur Kanzlei?

Lokal, Cloud oder hybrid? Ein nüchterner Vergleich für Kanzleien, die Datenschutz und Leistung abwägen.

«Legal AI» ist nicht gleich «Legal AI». Die Marketing-Oberfläche ähnelt sich — belegte Antworten, Zeitersparnis, Schweizer Recht —, doch der wichtigste Unterschied liegt darunter, in der Architektur: Wo läuft das Modell, und wohin gehen die Daten? Für eine Kanzlei, die dem Berufsgeheimnis (Art. 13 BGFA, Art. 321 StGB) untersteht, ist das keine technische Randfrage, sondern die zentrale Governance-Entscheidung.

Cloud: leistungsstark, aber die Daten verlassen das Gerät

Cloud-basierte Legal AI nutzt grosse Modelle, die auf leistungsfähiger Serverhardware laufen. Das bringt Vorteile bei besonders komplexen, mehrschichtigen Fragen — aber es bedeutet zwingend, dass die Eingaben das Gerät verlassen. Der Schutz beruht dann auf Verträgen, Zertifizierungen, dem Standort der Verarbeitung und den Zusicherungen des Anbieters (etwa Zero-Retention). Diese Absicherungen können solide sein, doch sie verschieben das Risiko von der Technik in die Vertragsebene: Man muss darauf vertrauen, dass der Anbieter und seine Unterauftragnehmer sich daran halten, und man muss die Rechtsordnung kennen, unter der sie stehen. Für sensible Mandate sind deshalb die Einwilligung der Klientschaft, ein Auftragsbearbeitungsvertrag und eine sorgfältige Vorabprüfung nötig. Cloud ist nicht per se unzulässig — aber sie ist voraussetzungsvoll.

On-Device: datensparsam, offlinefähig, aber hardwareabhängig

Bei der On-Device-Variante läuft das Modell lokal auf dem Rechner der Anwältin; die Daten bleiben auf dem Gerät. Das ist die datensparsamste Architektur überhaupt: Es gibt keine Übermittlung, keinen Server, der kompromittiert werden könnte, und keinen Drittzugriff. Das Berufsgeheimnis wird nicht durch einen Vertrag geschützt, sondern durch die Tatsache, dass die Daten das Gerät nie verlassen. Zusätzlich ist die Lösung offlinefähig und unabhängig von der Verfügbarkeit eines Anbieters.

Der ehrliche Preis dafür ist die Hardwareabhängigkeit. Ein lokales Modell auf einem Laptop kann nicht dieselbe rohe Kapazität aufbieten wie die grössten Cloud-Modelle; bei sehr komplexen, verschachtelten Fragen liegt seine Leistung darunter. Für den Grossteil der täglichen Recherche- und Entwurfsarbeit reicht die On-Device-Stufe jedoch aus — und wo sie an Grenzen stösst, muss man nicht das ganze Datenschutzkonzept über Bord werfen.

Ein oft übersehener Vorteil der lokalen Verarbeitung ist die Unabhängigkeit. Eine On-Device-Lösung funktioniert auch ohne Internetverbindung — im Gericht, im Zug, in einer Besprechung ohne stabiles Netz. Sie ist zudem nicht davon abhängig, dass ein Anbieter seinen Dienst weiterbetreibt, seine Preise stabil hält oder seine Server verfügbar sind. Wird eine Lizenz vollständig offline geprüft, kann kein Lizenzserver die Kanzlei je aussperren. Diese Betriebssicherheit ist gerade für eine Kanzlei wertvoll, die sich auf ein Werkzeug verlassen können muss, wenn eine Frist drängt. Cloud-Dienste bieten dafür im Gegenzug meist die höhere Spitzenleistung — der Abwägung zwischen Verfügbarkeit und Kapazität kommt man also nicht aus, man kann sie aber pro Fall treffen.

Welche Architektur passt zu welcher Kanzlei?

Die Antwort hängt vom Mandatstyp ab. Eine Kanzlei mit hochsensiblen Mandaten — Strafverteidigung, Wirtschaftsstrafrecht, heikle Familien- oder Arbeitsstreitigkeiten — wird die datensparsamste Variante bevorzugen und Cloud-Nutzung nur mit ausdrücklicher Einwilligung und Vertrag zulassen. Eine Kanzlei mit vielen Standardfragen zu öffentlich zugänglichem Recht kann hingegen von der zusätzlichen Leistung einer Cloud-Stufe profitieren, solange keine Mandatsinhalte übermittelt werden. Entscheidend ist, dass die Wahl pro Fall getroffen wird und nicht die Architektur die Kanzlei zu einem einheitlichen Schutzniveau zwingt.

Hybrid — das Beste aus beidem, pro Fall entschieden

Genau hier setzt Causidicus an: Es kombiniert beide Ansätze. Die On-Device-Stufe ist die datensichere Grundlage, die immer verfügbar ist und in der Mandatsdaten das Gerät nicht verlassen. Für anspruchsvolle Fragen lässt sich eine optionale Cloud-Stufe ausdrücklich freischalten — beschränkt auf die Frage und den abgerufenen, öffentlichen Gesetzestext, nicht auf Ihre Dossiers. Erst eine gesondert zu aktivierende, erweiterte Aktenanalyse verarbeitet pseudonymisierte Akteninhalte, und das nur mit Einwilligung der Klientschaft und einem Auftragsbearbeitungsvertrag. So entscheidet die Kanzlei pro Fall, welches Schutzniveau gilt, statt sich einmalig zwischen Datenschutz und Leistung entscheiden zu müssen. Wie diese Stufen technisch getrennt sind, beschreibt die Seite Sicherheit im Detail.

Wie unterscheiden sich die Kostenmodelle von On-Device und Cloud?

Auch die Abrechnung folgt der Architektur. Reine Cloud-Lösungen verrechnen häufig pro Token — also pro verarbeiteter Texteinheit. Das macht die Monatskosten schwer planbar, weil sie mit jeder langen Frage und jedem umfangreichen Dokument steigen. On-Device-Verarbeitung kennt dieses Problem nicht: Die Rechenlast trägt der eigene Mac, weshalb sich die lokalen Analysen im Abo unbegrenzt nutzen lassen, ohne dass eine Uhr mitläuft. Causidicus rechnet deshalb in Analysen statt in Token — eine Analyse ist eine beantwortete Frage über die Cloud-Stufe, während On-Device-Analysen im Abo nicht gegen das Kontingent zählen. Das macht die Kosten für die Kanzlei vorhersehbar. Die drei Stufen und ihre Kontingente finden Sie unter Preise.

Muss ich mich einmalig entscheiden — oder pro Fall?

Der häufigste Denkfehler ist, die Architekturfrage als einmalige Grundsatzentscheidung zu behandeln: entweder ganz lokal oder ganz Cloud. Das hybride Modell löst diesen Zwang auf. Die datensichere On-Device-Stufe ist die Grundeinstellung; die Cloud-Stufe wird nur dort und nur dann zugeschaltet, wo eine konkrete Frage es verlangt — und ausdrücklich. So muss die Kanzlei nicht zwischen Datenschutz und Leistung wählen, sondern kann beides haben, jeweils passend zum Mandat. Diese Fallbezogenheit ist der eigentliche Vorteil eines hybriden Ansatzes: Er verlagert die Entscheidung dorthin, wo sie hingehört — in den Einzelfall, in die Hand der verantwortlichen Anwältin.

Ein Punkt bleibt architekturunabhängig: exakte Berechnungen. Fristen etwa überlässt Causidicus in keiner Stufe dem Sprachmodell, sondern einer separaten, deterministischen Engine — nachvollziehbar beim Fristenrechner. Abgerechnet wird in Analysen statt in Token, und der Fristenrechner bleibt dauerhaft kostenlos.

Zusammengefasst ist die Architekturfrage keine technische Fussnote, sondern die Grundentscheidung jeder Legal-AI-Einführung. Wer sie bewusst trifft — datensicher als Grundeinstellung, Cloud nur dort, wo eine konkrete Frage es rechtfertigt — verbindet Datenschutz und Leistung, ohne das eine gegen das andere ausspielen zu müssen. Für eine Kanzlei, die dem Berufsgeheimnis verpflichtet ist, ist das der seltene Fall, in dem die vorsichtigere Variante zugleich die flexiblere ist: On-Device als sichere Basis, Cloud als bewusst zuschaltbare Verstärkung, und die Anwältin als letzte Instanz über beidem.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für den Einzelfall ist die anwaltliche Prüfung massgebend.

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